40 Jahre Apple II: Blaupause und Startschuss für Apples Erfolg
Als der damalige Apple-CEO Steve Jobs das erste iPhone im Januar 2007 präsentierte, gab er fast beiläufig eine weitere wichtige Neuerung bekannt. Der Konzern hieß fortan nicht mehr
Apple Computer, sondern nur noch
Apple. Die immer größer werdende Produktpalette außerhalb des Computerbereichs erfordere die Namensreduktion, so Jobs. Und tatsächlich machen die Macs als klassische Computersparte heute nur noch einen Bruchteil des Apple-Gesamtumsatzes aus.
Dabei bedingten Computer jahrzehntelang Apples Erfolg und Ruhm. Mit dem Apple II, der vor 40 Jahren erschien, gelang dem Unternehmen aus Cupertino der Durchbruch. Apples zweiter Rechner war ein Sensationshit und half maßgeblich, den Personal Computer als lukratives Geschäftsmodell auf dem Markt zu etablieren. MacTechNews erinnert anlässlich des Jubiläums an Apples ersten Erfolg und zeigt, wie sich der Konzern im Zuge der Apple-II-Veröffentlichung von einer Garagenklitsche zu einem Milliardenunternehmen entwickelte.
Die Sehnsucht nach dem MassenmarktDie Apple-Gründer Steve Jobs und Steve Wozniak mussten sich für 1977 etwas einfallen lassen. Der im Vorjahr veröffentlichte Apple I sorgte zwar für interessierte Gesichter bei Computerfreaks und Hobbybastlern. Sogar die ein oder andere wohlwollende Besprechung in Fachzeitschriften beschäftigte sich mit Apples Erstlingswerk. Der 666,66 US-Dollar teuren Platine blieb der damals gerade erst entstehende Markt für Personal Computer aber weitgehend verschlossen. Folgerichtig unterschied sich Steve Jobs’ Vision für den Apple II stark vom rudimentären Vorgänger, gegenüber dem selbst heutige Barebone-PCs wie Ausstattungswunder wirken. Das Ziel waren nicht mehr die paar Tüftler, die ihre Computer selbst zusammenbauten. Auf jeden einzelnen dieser Kunden kommen 1.000 Leute, die ihren Computer direkt Out-of-the-Box nutzen wollen, so Jobs. Für eben diese Zielgruppe war Apples kommender Rechner gedacht. Das Bausatzprinzip wich dem marktfreundlicheren All-in-One-Credo.
Einplatinencomputer Apple I (Kazuhisa OTSUBO, CC BY 2.0) Der Apple II sollte dem Käufer ein bislang kaum für möglich gehaltenes Plug-and-Play-Erlebnis bescheren. Statt sich zur Hauptplatine erst noch weitere Komponenten wie Transformator, Tastatur und sogar Gehäuse besorgen zu müssen, konnten Anwender Apples neues Hoffnungskind direkt benutzen, da schon alles Wesentliche integriert war – so der Plan. Der Kunde musste nur noch einen Monitor und die entsprechenden Anwendungen beisteuern, um loszulegen. Chefentwickler Wozniak, der den Rechner zum Großteil in Eigenregie entwarf, sah sich deswegen mit ungleich mehr Arbeit als beim Apple I konfrontiert.
Apple II mit Wozniak-Autogramm (Sergey Galyonkin, CC BY-SA 2.0) Kapital muss herDa Apple seinerzeit noch eines von vielen kleinen Computerunternehmen war, fehlte das Kapital für die Produktion eines solch ambitionierten Produkts. Steve Jobs machte die Runde bei größeren Herstellern wie Commodore und seinem ehemaligen Arbeitgeber Atari, um sich die Hilfe eines finanzstarken Vertriebspartners zu sichern. Durch das Auftreten und die kompromisslose Art des Apple-Mitbegründers scheiterten die Verhandlungen allerdings oft schon in der Anfangsphase. Atari-Chef Joe Keenan warf Jobs sogar raus, da er sich durch die ungehobelten Umgangsformen und mangelnde Hygiene des barfuß erschienen Apple-Repräsentanten provoziert fühlte.
Mit Commodore liefen die Gespräche vielversprechender. Jobs bot den Apple II für mehrere hunderttausend Dollar an und verlangte zusätzlich ein Aktienpaket. Nach einigem Hin und Her entschied sich Commodore schließlich gegen das Angebot, da die Führung des Computeranbieters eine simplere Eigenentwicklung (PET) für kostengünstiger hielt und ohnehin auf diverse der kostspieligen Apple-II-Features verzichten wollte. Auch viele Jahre später regte sich Wozniak noch über die Absage auf. Durch die zu kurze Entwicklungszeit habe Commodore ein mieses Produkt fabriziert, das dem Apple II in allen Belangen unterlegen gewesen sei. Die beiden Apple-Gründer besannen sich nach diversen Rückschlägen darauf, es ohne einen großen Hersteller zu versuchen.